Folge 5: Dissoziation - Wenn das Gehirn die Verbindung kappt

Shownotes

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Hinweis: Dieser Podcast dient der Aufklärung und dem Austausch von Erfahrungen. Er ersetzt keine Psychotherapie, ärztliche Beratung oder sonstige professionelle Unterstützung.

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00:00:04: Und irgendwann redete ich darüber.

00:00:06: Dies ist ein Podcast über Trauma-Folgen nach sexualisierter und psychischer Gewalt.

00:00:13: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von meinem Podcast.

00:00:17: Und irgendwann redete ich darüber, schön dass du eingeschaltet hast!

00:00:21: Ich bin Nadine und selbst betroffene.

00:00:23: Ja wie dir der Titel vielleicht schon verrät möchte ich heute mit dir über das Thema Dissoziation sprechen.

00:00:31: wir sprechen darüber was das ist warum unser Gehirn zu dieser Strategie greift und was dabei im Gehirnt passiert.

00:00:39: Und damit du das vielleicht noch besser verstehst, habe ich heute einen Gast bei mir.

00:00:45: Ich freue mich riesig darüber und zwar ist es eine liebe Freundin auch sie betroffene von sexueller und psychischer Gewalt.

00:00:55: aber mehr dazu erzähle ich dir dann einfach später wenn es soweit ist Und bevor wir anfangen, wie immer an dieser Stelle.

00:01:04: mein Appell an dich.

00:01:05: Achte bitte gut auf dich und solltest du an irgendeiner Stelle merken dass dir das Hören dieser Folge gerade nicht mehr gut tut dann sorge für dich schalte ab und höre einfach später wieder rein.

00:01:21: In den letzten Folgen haben wir uns gemeinsam die Grundlagen von Trauma angeschaut.

00:01:26: Wir haben darüber gesprochen was ein Trauma überhaupt ist warum Erinnerungen manchmal verschwinden können und weshalb Trigger so starke Reaktionen auslösen können, selbst dann wenn wir gar nicht bewusst verstehen was gerade überhaupt passiert.

00:01:45: Ja und mit dieser Folge möchte ich sozusagen ein neues Kapitel beginnen denn auch gegen den, wie ich sage mal ihr glauben Einiger Menschen ist ein Trauma beendet, sobald das traumatische Ereignis zu Ende ist.

00:02:02: Viele Betroffene erleben noch Jahre oder sogar Jahrzehnte später Reaktion ihres Körpers und ihres Gehirns die sie sich zunächst gar nicht erklären können.

00:02:14: auch das hatten wir ja in den vorherigen Folgen schon mal ein bisschen angerissen.

00:02:19: Und heute möchte ich genau mit einer dieser Reaktionen starten und zwar mit der Dissoziation folgenden Folgen.

00:02:30: werden wir uns noch weitere Reaktionen anschauen.

00:02:35: Ja, die Dissoziation ist ein sehr weites Feld und da das hier kein Psychologie-Podcast ist werde ich weder alles abdecken noch in die Tiefe gehen!

00:02:48: Die Dissoziation ist so vielfältig und wie ich persönlich finde so unglaublich spannend dass ich mehrere Folgen nur über dieses eine Thema aufnehmen könnte.

00:02:59: Daher versuche ich mich auch hier wieder, nur auf das Wesentliche zu beschränken und hoffe einfach dass sich alles so ein bisschen abgegrasst bekomme.

00:03:10: Und ja wie immer gilt natürlich wenn du Fragen hast, Anmerkungen hast.

00:03:16: Ich irgendwie Quatsch von mir gegeben habe was passieren kann ich bin ja auch nur ein Mensch denn schreib mir einfach gerne und dann greife ich das in der nächsten Folge wenn gewünscht ist einfach nochmal wieder auf.

00:03:29: Ja, zurück zur Diszoziation.

00:03:31: Also ganz am Anfang ist glaube ich wichtig zu erwähnen dass die Diszoziation keine eigene Krankheit ist sondern und da kommen wir zu der Frage was sie ist?

00:03:40: Sie ist ein Schutzmechanismus unseres Gehirns und zwar kann sie nach traumatischen Erlebnissen auftreten.

00:03:48: Sie kommt aber durchaus auch bei anderen psychischen Erkrankungen vor in ganz leichter Form sogar bei psychisch gesunden Menschen.

00:03:58: Vielleicht kennst du dieses Typische, ich fahre auf der Autobahn und kann mich dann nach, weiß ich nicht ein paar Kilometern gar nicht mehr daran erinnern wie ich die letzten Kilometer überhaupt vorwärts gekommen bin also wie ich sie verbracht habe dass ich sie gefahren bin So was zählt halt in ganz leichter, abgeschwächter Form auch schon dazu.

00:04:24: Und um das zu erleben braucht man kein traumatisches Ereignis und noch keine psychische Erkrankung.

00:04:32: Ja und generell werden Dissoziationen von allen Menschen anders empfunden weil halt auch jeder sie einfach komplett anders erlebt.

00:04:43: Also ich zum Beispiel bin soweitig weiß sehr wenig davon betroffen wenn ich mal so überlege.

00:04:52: So ganz spontan fallen mir drei, vielleicht vier Situationen aus den letzten zwei bis drei Jahren ein die ich einer Dissoziation zuordnen würde ohne dass ich da irgendwelche Diagnosen zu habe oder irgendwelchen therapeutischen Informationen zu.

00:05:14: also das ist einfach nur so von mir persönlich als Laie eingeordnet, weil ich mich halt mit dem Thema sehr beschäftigt habe und das könnte halt da rein passen.

00:05:23: Muss aber auch nicht!

00:05:25: Ja also was genau bedeutet Dissoziation?

00:05:29: Das Wort Dissoziation stammt aus dem Lateinischen soweit ich herausgefunden habe und bedeutet so viel wie trennen oder auseinander lösen.

00:05:39: Und genau das passiert in unserem Gehirn auch bei einer Dissoziation.

00:05:44: Das heißt, Dinge die normalerweise zusammengehören werden für eine gewisse Zeit voneinander getrennt.

00:05:52: Unser Gehirnen verarbeitet im Alltag ja ständig unzählige Informationen gleichzeitig.

00:05:57: zum Beispiel wir nehmen unsere Umgebung wahr Wir spüren unseren Körper und erinnern uns an Dinge dann empfinden wir Gefühle und wissen wer wir sind wo wir uns befinden, wie es uns geht und so weiter und sofort.

00:06:13: Und all diese Informationen werden normalerweise zu einem stimmigen Ganzen verbunden sage ich jetzt mal ein bisschen außerhalb des Fachschagons.

00:06:26: Bei einer Dissoziation funktioniert diese Verbindung vorübergehend nicht mehr vollständig Und das wiederum kann natürlich ganz unterschiedlich aussehen.

00:06:36: Also manche Menschen, die haben das Gefühl ihre Umgebung wirke plötzlich fremd oder unwirklich andere fühlen sich von ihren eigenen Gefühlen abgeschnitten wie der andere erleben Erinnerungslücken oder haben das Gefühl ihren Körper nur noch, wie von außen wahrzunehmen.

00:06:57: Bei mir zum Beispiel in ein von diesen Situationen die ich eben genannt habe wo ich glaube dass es auch einer Form der Dissoziation war Da hab' ich plötzlich alles nur noch Wie durch so nebel wahrgenommen und die Worte Von den gesprochenen Personen um mich herum.

00:07:15: Die sind so an mir vorbeigerauscht.

00:07:19: Also ich habe sie irgendwie verstanden, aber ich war gar nicht mehr in der Lage mich an diesem Gespräch so zu beteiligen.

00:07:27: also ja das war eine von diesen wo ich glaube vier Situationen die da in einer Dissoziation hineinfallen könnten.

00:07:41: Ja also wie du vielleicht schon merkst Es gibt halt nicht die eine Form der Dissoziation, also die Dissoziationen gibt es nicht.

00:07:50: Sie zeigt sich völlig unterschiedlich und sie ist auch total unterschiedlich ausgeprägt von Person zu Person.

00:08:04: Das bedeutet natürlich auch dass zwei Menschen mit einer Dissoziation völlig unterschiedliche Erfahrungen schildern können und trotzdem haben beide recht.

00:08:16: Das war mir jetzt noch mal wichtig, das zu sagen.

00:08:20: Ja vielleicht fragst du dich jetzt warum unser Gehirn überhaupt so etwas macht?

00:08:25: Wie ich ja eben schon sagte, dass ist ein Schutzmechanismus unseres Gehirns.

00:08:31: Das heißt wenn Wir in einer Situation sind, die so überwältigend ist dass sie im Moment weder verarbeitet noch ausgehalten werden kann versucht das Gehirn die Belastung zu verringern.

00:08:48: Es schafft also gewissermaßen einen Abstand zwischen dem Menschen und dem was gerade geschieht oder was innerlich erlebt wird.

00:08:59: Vielleicht kann man sich das so ein bisschen vorstellen.

00:09:02: Das heißt also, wenn sich ein Mensch in einer lebensbedrohlichen oder überwältigenden Situation befindet versucht es Gehirn und der Körper zunächst zu schützen.

00:09:16: Springen wir hier noch mal zurück zu einer der vorherigen Folgen.

00:09:19: da hatte ich ja schon Mal kurz angerissen dass es Reaktionen gibt wie Kampf Flucht, Erstarren und Unterwerfung.

00:09:31: Und solange der Kampfmodus oder der Fluchtmodus aktiviert werden können das heißt sobald Kampf- oder Fluchten möglich sind versucht unser Körper die Gefahr aktiv zu bewältigen.

00:09:44: wenn das aber nicht mehr funktioniert in dem Moment greift unser Gehirn zu einer weiteren Strategie zu dem Schutzmechanismus und zwar zur Dissoziation.

00:09:56: Man könnte also sagen, dass Gehirn versucht in dem Moment den Abstand zwischen dem Menschen und dem Erlebten zu vergrößern.

00:10:04: Nicht körperlich aber psychisch, also innerlich.

00:10:08: Das heißt Gefühle können abgeschwächt werden Schmerzen können weniger intensiv wahrgenommen werden Erinnerungen werden manchmal nur bruchstückhaft gespeichert oder das Erlebte fühlt sich plötzlich total unwirklich an.

00:10:22: All das geschieht aber natürlich nicht bewusst.

00:10:25: Also niemand entscheidet sich dafür, so ich dissoziiere jetzt.

00:10:29: Das funktioniert nicht!

00:10:31: Das ist alles ein kompletter Automatismus.

00:10:33: Das ist eine Reaktion von unserem Nervensystem und da haben wir gar keinerlei Einfluss drauf.

00:10:39: Und genau deshalb ist Dissoziation auch keine Schwäche.

00:10:45: Ich kenne Betroffene die sehen das als... Schwäche an und zwar als ich bin nicht belastbar, weil wenn was Belastendes kommt dann gehe ich in die Dissoziation.

00:11:03: Aber das ist keine Schwäche!

00:11:04: Das ist ein Schutzmechanismus um uns zu schützen.

00:11:09: Und zwar ist es der Versuch vom Gehirn einen Menschen durch eine Situation zu bringen, die in diesem Moment anders kaum auszuhalten wäre.

00:11:21: Das bedeutet natürlich aber auch nicht, dass die Dissoziation immer hilfreich bleibt.

00:11:27: Also während einer extremen Belastung kann sie ein wichtiger Schutz sein.

00:11:32: Wenn Sie aber jedoch noch lange nach dem eigentlichen Ereignis als Traumafolge immer wieder auftritt, dann können Sie den Alltag erheblich erschweren.

00:11:42: und genau deshalb erleben viele Menschen mit einer Traumapolgestörung die Dissoziation nicht mehr als Hilfe, sondern tatsächlich als Belastung.

00:11:54: Dazu hören wir gleich vielleicht noch ein bisschen mehr.

00:11:58: Ja gehen wir noch einmal kurz an den Anfang dieser Folge zurück.

00:12:02: da sagte ich dir dass es verschiedene Formen von Dissoziation gibt.

00:12:07: auf ein paar von diesen Formen möchte ich jetzt nur noch kurz eingehen also wie gesagt wirklich nur auf ein Paar.

00:12:15: und zwar Von der sogenannten Depersonalisation spricht man, wenn Menschen das Gefühl haben neben sich zu stehen oder ihren eigenen Körper nicht mehr richtig wahrzunehmen.

00:12:27: Andere dagegen beschreiben dass ihre Umgebung plötzlich fremd und unwirklich oder wie in einem Film wirkt.

00:12:34: Dann sprechen wir von der Derealisation.

00:12:38: Und dann gibt es wieder andere Menschen die Erinnerungslücken erleben.

00:12:45: Sie wissen zum Beispiel, dass Zeit vergangen ist.

00:12:49: Können sich aber an einzelne Minuten Stunden oder sogar längere Zeitabschnitte nicht mehr erinnern.

00:12:56: Dabei sprechen wir von einer dissoziativen Amnesie.

00:12:59: und dann gibt es noch die dissociative Identitätsstörung kurz DIS.

00:13:05: Dabei ist die Dissociation so ausgeprägt das unterschiedliche Identitäternteile entstehen, die jeweils eigene Erinnerungen eigene Gefühle, eigene Wahrnehmung und eigene Verhaltensweisen haben können.

00:13:22: Das heißt es entwickeln sich eigene Persönlichkeiten und nach heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand entwickelt sich eine Disney plötzlich im Erwachsenenalter.

00:13:34: also die ist nicht zack einfach da sondern sie entsteht in der Regel als Folge Schwerster, wiederholter.

00:13:45: Früher Traumatisierungen und nach allem was ich gelesen habe entwickelt sie sich in frühester Kindheit bis zu einem Alter von maximal acht Jahren.

00:13:57: Ich möchte da gar nicht mehr weiter drauf eingehen.

00:13:59: also für mich ist die dies unglaublich faszinierend aber für diese Folge wird sie alles sprengen wenn ich da tiefer reingehe.

00:14:10: Vielleicht mache ich meine eigene Folge nur über die Diss, vielleicht finde ich sogar eine liebe Betroffene oder einen Liebenenbetroffenen der mit mir darüber sprechen möchte hier in meinem Podcast dann bitte gerne melden würde mich sehr sehr freuen.

00:14:29: bevor wir weitermachen möchte ich aber noch eine einzige Sache zur diss sagen die mir ganz ganz wichtig ist Und zwar ist eine Dis ganz und gar nicht das, was von Hollywood oft gezeigt wird.

00:14:43: Wie gerade schon gesagt ich kenne inzwischen einige liebe Menschen die von einer Dis betroffen sind und ich verspreche dir es hat nichts aber wirklich gar nichts mit dem zu tun was uns die Filmindustrie da zeigt.

00:14:58: Ja und zwar mir jetzt noch mal ein anliegendes wirklich nochmal so deutlich zu sagen.

00:15:03: Kommen wir zurück zur Dissoziation.

00:15:06: Und zwar während einer Dissoziation funktionieren manche Menschen einfach weiter, das heißt sie führen Gespräche erledigen Aufgaben oder fahren sogar Auto und merken erst später dass sie kaum... Dass Sie sich kaum noch daran erinnern können.

00:15:22: viele Betroffene wirken nach außen völlig ruhig oder konzentriert obwohl innerlich gerade etwas völlig anderes passiert.

00:15:29: und dadurch dass wir Betrofene währenddessen oft, also nicht immer aber oft einfach weiterhin funktionieren bekommen Außenstehende die Dissoziation oder das Dissocieren gar nicht unbedingt mit.

00:15:43: Es kann sein des Angehörigen oder ja Freunden, mit wem auch immer mal gerade unterwegs ist Arbeitskollegen dass denen plötzlich auffällt, dass die betroffene Personen irgendwie still wird oder ins Leere schaut dass sie vielleicht verzögert antwortet oder Schwierigkeiten hat, in einem Gespräch zu folgen.

00:16:06: Das kann schon manchmal auffallen.

00:16:08: und dann gibt es aber halt auch diese Situation wo wirklich niemand etwas bemerkt und nur die Betroffene selbst weiß das sie gerade nicht völlig im Hier-und-Jetzt ist.

00:16:21: Und dann gibt's aber auch noch diese Situation, dass Betrofene selber gar nicht wissen, dass sie gerade in einer Dissoziation stecken.

00:16:31: Das gibt es auch und ja genau das macht die Dissoziation oder das Dissociieren für viele hat auch so belasten gerade wenn das im Alltag passiert auf der Arbeit bei einem Meeting oder auf irgendeiner Veranstaltung oder whatever und man sich hinterher darüber austauscht und dann kriegt man Sätze um die Ohren gehauen wie Aber du warst doch die ganze Zeit anwesend oder aber auch schon selbst dabei.

00:17:04: Oder aber auch, wie kannst Du das denn bitte nicht mehr wissen?

00:17:09: Und vielleicht mit dem heutigen Gehörten kannst Du Dir diese Fragen beantworten!

00:17:16: Ja und bevor ich jetzt das Wort an meinen lieben lieben Gast abgebe noch Eine Sache an dieser Stelle, die ich als sehr wichtig erachte.

00:17:26: Nicht jede Form von Dissoziation sieht gleich aus und nicht jede Dissoziation ist automatisch schwer ausgeprägt.

00:17:34: Die Dissoziaion bewegt sich eher auf einem Spektrum von kurzen kaum bemerkbaren Momenten bis hin zu Zuständen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können.

00:17:46: Hallo Ira!

00:17:47: Schön dass du heute da bist.

00:17:51: Für mich ist es auch ganz neu hier jetzt zu zweit und ganz ohne Skript.

00:17:54: Ich weiß noch gar nicht, was ich sagen soll!

00:17:56: Wir gucken mal... wir kriegen das hin!

00:17:59: Ira und ich kennen uns über Instagram.

00:18:02: Da ist sie die Muse des Lebens.

00:18:04: Seitdem ist sie meine persönliche Muse.

00:18:08: Wir kennen uns seit etwas über einem Jahr

00:18:11: Und

00:18:12: haben uns auch schon zwei Mal getroffen.

00:18:15: Ja, wir verstehen uns einfach blendend.

00:18:17: Die Ira hat sich Bereit erklärt heute etwas über Dissoziation zu erzählen, also einfach so ein bisschen über sich aus ihrem Leben.

00:18:28: Eben ihrer Vorgeplänkel hattest du so schöne Geschichten... Geschichten klingt so positiv aber so schöne Erlebnisse aus deinem Leben.

00:18:41: Wenn du magst dann darfst du einfach mal starten wie dir danach ist und ich halt jetzt meine Klappe.

00:18:48: Hallo liebe Nadine und hallo liebe Zuschauer, zuhörer!

00:18:52: Sorry.

00:18:54: Vielen Dank für die Einladung und ja ich freue mich richtig hier dran teilnehmen zu dürfen.

00:19:02: Genau im Vorgespräch hatten wir es gerade weil wir überlegt hatten welche Geschichten vielleicht am besten zu der Thematik passen würden vielleicht aufgreifen.

00:19:18: Aktuell bin ich in einer dissoziativen Episode, würde ich sagen, weil bei mir einfach durch meine chronischen Erkrankungen und eigentlichen dringend nötigen Pflegegrad nicht durchgegangen ist sind bei mir sämtliche Grundpfeiler eingebrochen die mich so am Leben erhalten hatten.

00:19:43: Hoffnungen Das war einfach zu viel.

00:19:45: Ich habe das Setting nicht, die Sicherheit nicht um das auszuhalten.

00:19:50: also hat mein Gehirn sofort in den anderen Überlebensmodus umgeschaltet.

00:19:55: Seit Tagen schlafe ich wenig seit es eben war und sammle Früchte von draußen.

00:20:02: Sammel Vorräte macht die ein obwohl ich mich eigentlich schonen müsste weil ich unter anderem unter dem chronischen Fatigue leide Und ich übergehe permanent meine Grenzen, aber ich spüre es nicht.

00:20:15: Weil ich eben nicht in meinem Alltags-Ich bin sondern in einem Überlebensmodus und ja... Es gibt immer wieder Momente wo ich vielleicht wieder den anderen, ich sage jetzt mal erreichbareren Anteil wechseln dann wird mir das bewusst Dann kann ich das kognitiv greifen.

00:20:36: Aber ich komme immer wieder zurück Überlebensmodus, wo ich eben für mich eine überlebenssicherheit schaffte gar nicht notwendig ist.

00:20:46: Weil meine eigentlich müsste ich mich um formelle Sachen kümmern und da meine Existenz sichern.

00:20:52: aber mein System schafft das gerade nicht und greift dann eben auf eine andere Lösung oder?

00:21:02: Das heißt also du weißt quasi schon dass Du in einem dissoziativen Zustand bist.

00:21:09: gar nicht so richtig was daran ändern?

00:21:11: Ja, aber auch nur weil ich jetzt über viele Jahre Therapie hatte.

00:21:16: Auch Schematherapie wo eben genau diese Anteile oder auch diese dissoziativen Zustände thematisiert waren und

00:21:26: nur

00:21:26: deswegen bin ich in der Lage das zu erkennen.

00:21:29: also wer ich nicht Therapier fahren würde ich es gar nicht wahrnehmen.

00:21:34: so lief ja mein Leben bisher.

00:21:39: Also es ist für außen nicht ersichtlich, ich wirk völlig normal.

00:21:43: Es kriegt ja auch keiner mit was eigentlich meine Probleme sind.

00:21:46: aber eigentlich ist das ein kompletter Notlauf der mir überhaupt nichts bringt in dem Moment.

00:21:52: also der rettet mich jetzt in der Situation überhaupt nicht im Gegenteil.

00:21:57: Aber er hält mich halt beschäftigt und naja bei der Ahnung dass sich damit

00:22:02: anfangen Naja Früchte sammeln und Essen einkochen Also du sorgst ja schon

00:22:09: quasi

00:22:10: für deinen Überleben nur anders als du es eigentlich tun müsstest.

00:22:15: Ja, genau.

00:22:16: Du machst quasi was anderes.

00:22:18: Das heißt ohne Therapie würdest du selber das gar nicht checken dass du in einem komplett anderem Anteil und in einem kompletten anderen Überlebensmodus gerade bist als eigentlich wichtig für dich wäre?

00:22:33: Mir war das viele Jahre, also bis vor sechs Jahren wusste ich überhaupt nicht, dass ich überhaupt traumatisiert bin.

00:22:41: Ich wusste auch nicht, daß ich überhaupt in irgendwelchen Anteilen bin oder sogar an Inanteilen bin und die ich mich nicht erinnere.

00:22:48: Das war mir alles gar nicht bewusst.

00:22:51: Ich wußt nur, dass mehr Lebenszeit fehlt in meinen Erinnerungen aber... Also bis heute noch!

00:22:56: Und ja, es hab' ich halt so hingenommen.

00:22:58: Ich habe gehört jeden geht's so.

00:23:02: Ja, ich glaube auch dass es jedem Mal so geht.

00:23:05: Aber ich glaube das bei traumatisierten Menschen deutlich häufiger und deutlich intensiver ist weil wie ja die Zuhörer eben schon gehört haben Es gibt natürlich auch kleinere Dissoziationen Bei gesunden Menschen diese typische auf der Autobahn und erinnere mich die letzten fünf Minuten gar nicht, wie ich diese Strecke geschafft habe.

00:23:32: Aber das ist natürlich gar nicht mit dem zu vergleichen was wir Betroffene halt manchmal erleben.

00:23:40: Und es heißt du sprichst von unterschiedlichen Anteilen.

00:23:44: sind wir da bei der dissoziativen Identitätsstörung oder sind wir woanders?

00:23:50: Ja, ich würde sagen

00:23:52: es ist ein Spektrum.

00:23:55: Ich denke mal das ist auch noch gar nicht ausgeforscht und es ist immer ein schmaler Grad glaube ich zwischen all den Krankheitsbildern.

00:24:04: Ich weiß bei mir selber nicht laut meiner Hausärztin habe eine PTBS aber ich bin seit gefühlt mein ganzes Leben lang so.

00:24:13: deswegen würde ich sagen sprechen wir hier von keiner normalen PTBS mehr.

00:24:20: Also Klinik-Riefen stand schon eine komplex posttraumatische Belastungsstörung drin und Borderline.

00:24:26: Aber viele Sachen sprechen halt auch für mehr, weil eben viel Lebenszeit fehlt, weil viele Anteile da sind, auch sehr präsent.

00:24:38: Ich würde sagen das ist alles eine große Familie.

00:24:41: und ja die einen haben mehr... Amnesien, die anderen weniger.

00:24:46: Die einen wechseln vielleicht stärker in ihren emotionalen Anteile.

00:24:50: Manche sind komplett aufgebröselt.

00:24:53: Ja ein Bruntersch raus an Blumen würde ich sagen.

00:24:57: Ja das stimmt auf jeden Fall!

00:25:01: Ja Ira vielen lieben Dank schon mal für deine Geschichte.

00:25:06: Ein Teil deiner Geschichte Magst du den Teil erzählen, den du mir vorhin mit deiner Mutter erzählt hast?

00:25:16: Ja.

00:25:17: Ich finde das ist das

00:25:20: deutlichste

00:25:22: Beispiel wie eine Dissoziation funktioniert.

00:25:26: und zwar war es damals so ich war bis vor jetzt bei sieben Jahren komplett abgespalten von meiner ganzen Lebensgeschichte.

00:25:35: also ich hatte gar

00:25:36: keine Erinnerungen und wenn

00:25:39: dann total sachlich.

00:25:40: Und mir war gar nicht klar, was mir eigentlich alles passiert ist.

00:25:44: Vor

00:25:44: sechs Jahren gab es eben einen Tricker und eine viel gelaufene EMDR Therapie.

00:25:51: Da kam alles auf einen Schlag hoch.

00:25:54: Ich bin in einem extrem kindlichen

00:25:57: Anteil

00:25:57: gewechselt also

00:25:59: wirklich

00:25:59: vor meinem vierten Lebensjahr Nähe bezogen, gerade was meine Mutter angeht.

00:26:06: Aber es war

00:26:07: halt auch viel Schamgefühl da und ich habe einfach auch Unterschiede in der Nähe zu meinen Geschwistern bezüglich meiner Mutter gesehen und hatte ihr die Frage in meinem absolut instabilen Zustand gestellt ob's ihr denn unangenehm ist mich mit mir zu kuscheln?

00:26:23: Und ihre Antwort war weil sie nicht darüber nachgedacht hat ja wenn du mich so fragst auf jeden Fall nicht die Antwort, die ich in dem Moment gebraucht hätte.

00:26:35: Die hat mich extrem getriggert!

00:26:36: Ich bin da drauf komplett hysterisch geworden und hab geschrien und geweint und gezittert und gewirkt... Und meine Mutter war halt völlig überfordert und sie hatte ja natürlich auch ihre Züge und ihre Aussage war damals, hör bitte auf damit, damit ich mir nicht so schlecht fühlen muss.

00:26:57: hat bei mir sofort einen Schalter umgelegt und ich war komplett fern gesteuert wie ein Roboter.

00:27:03: Ich hatte ein schlaffes Gesicht, ich war völlig emotions abgeschnitten von mir habe zu meiner Mutter gesagt dass ich ganz sachlich das jetzt gehen muss hab mich daraufhin ganz höflich vor meinem Stiefvater verabschiedet meine Sachen in einer vermeintlichen Ruhe gepackt und bin gegangen.

00:27:24: Und auf dem Weg Also auf dem Heimweg, hat mich eine Freundin angerufen und dann wurde ich praktisch wieder in meiner Emotion getriggert.

00:27:34: Bin wieder in diesen Anteil war wieder wie vor diesem dissoziativen Zustand hysterisch ohne Ende Und meine Freundin sagte damals einfach dass ich rechts rankfahren soll weil die gemerkt hat durch das Stottern was dann angefangen hat und Sprechblockaden dass sich nicht mehr in einem normalen Zustand war Dort reingefahren, war ich dann komplett weg.

00:27:57: Es war ungefähr abends neunzehn Uhr und als ich wieder zu mir kam, war es drei Uhr nachts.

00:28:03: Ich konnte nicht sprechen.

00:28:05: Ich hatte keine Orientierung, gar nichts mehr.

00:28:07: Ich könnte mich an die ganze Zeit nicht erinnern.

00:28:11: Aber so gesessen wie ich dort hingefahren bin das Auto war aus... Ich würde sagen, da haben wir eigentlich ein Paradebeispiel dafür wie eine Dissoziation

00:28:27: abläuft.

00:28:29: Also klar

00:28:30: das

00:28:31: Ende jetzt ist nicht mehr

00:28:32: relevant.

00:28:32: also

00:28:33: meine Mutter hat mich dann schon gedrischet und alles aber rein.

00:28:36: wenn es ums Thema Dissoziation geht war das eigentlich das Parade-Beispiel für die Dissoziaion Auf die fällige Dumfigkeit.

00:28:45: Ich kann mich nur erinnern, ich hab Dumpf gehört aber ich habe nichts mehr gesehen und nicht wahrgenommen.

00:28:51: Es ist einfach über diese Stunden keinerlei Material da.

00:28:56: was passiert ist

00:29:01: Das Gehirn kappt quasi jegliche Verbindung Und man läuft nur noch im Automodus

00:29:09: und danach eben der komplette Todstellreflex, komplett dicht vom Blatt weg sein.

00:29:15: Also da das war wirklich Betäubung von meinem Gehirn um mir

00:29:19: absolut

00:29:21: alle Reize glaube ich weggzunehmen.

00:29:23: also da hat in meinen Kopf hat sich auch nichts mehr abgespielt.

00:29:26: Das hätte ich geschlafen aber ich habe nicht geschlaft und das weiß ich.

00:29:30: Ja!

00:29:30: Das war komplett um dich zu schützen vor der vermeintlichen gefährlichen Situation die ja gar nicht da war durch den Trigger halt dem Gehirn und deinem Körper das Gefühl gegeben hat, die ist da.

00:29:44: Ja ich glaube die Gefahr war schon da weil es war eine psychische.

00:29:49: also da hat ja auch eine gewisse psychische Gewalt eingewirkt.

00:29:52: Ich meine das war ja auch keine gesunde Reaktion Verletzlichkeit mit bitte hör auf, dass ich mich nicht schlecht fühlen muss.

00:30:01: Das war bei mir ja dieser Satz wo sofort mein Leiden unterdrücken sollte und das war für mich Gewalt in dem Moment Wo ich absolut in meiner verletzlichsten Position war

00:30:13: bei meiner Mutter

00:30:15: die auch leider durch Unwissenheit zur Mithälterin wurde in der Vergangenheit.

00:30:19: Und es war halt das Problemen der Geschichte und meinen Gehirn konnte das aber nicht unterscheiden dass Ich heute erwachsen bin weil ich

00:30:27: gefühlt

00:30:28: unter vier Jahre alt war.

00:30:32: Ja, genau das ist das was ich vorhin damit meinte dass die Gefahr nicht so real war wie es sich für dich angefühlt hat weil du in einem ganz anderen Anteil gesteckt hast.

00:30:42: natürlich war das in dem Moment auch eine Form von psychischer Gewalt und natürlich wurden deine Grenzen nicht akzeptiert.

00:30:54: Du wurdest nicht ernst genommen in dem Moment und deine Mutter hat sich an erster Stelle gestellt.

00:30:59: Und das alles zusammen war natürlich der Auslöser.

00:31:04: Genau, ja.

00:31:06: Das ist echt... Also das ist sehr einschneidend gewesen!

00:31:10: Ich habe natürlich andere Erlebnisse auch.

00:31:12: aber das war jetzt eines wo ich wirklich selber gemerkt hab dass bei mir Sachen

00:31:19: von alleine

00:31:20: vonstatten gehen, weil ich null Kontrolle mehr über diese Situation hatte wie die doch war.

00:31:26: Vielen lieben Dank, dass du das mit uns teilst und sage jetzt mal der Welt davon erzählst!

00:31:34: Ich finde es wichtig, dass solche Erfahrungen ans Licht kommen und das auch vor allem nicht Betroffene ja sowas mal hören damit die Chance überhaupt besteht auch nicht betroffene Menschen die Möglichkeit haben, nachzuvollziehen was halt bei uns in dem Moment passiert oder passieren kann.

00:31:59: Das erlebt natürlich auch jeder anders.

00:32:02: Ira ich habe nochmal eine Frage.

00:32:04: du hast mir vor ein paar Tagen mal erzählt das ist wenn du in der Dissoziation steckt dass manchmal das in deinem Gehirn knack macht.

00:32:13: Kannst du dazu noch mal was sagen?

00:32:15: Weil das habe ich persönlich zum Beispiel gar nicht.

00:32:18: Das hab'

00:32:18: ich oft,

00:32:19: wenn bei mir ganz schlimm... Also ich hab ja durch die Borderline-Störungen extreme Empfindungen und gerade Trauer oder Wut oder Angst, wenn sie zu stark wird dass ich nicht mehr in der Lage bin diese Gefühle auszuhalten, weil ich das Gefühl habe.

00:32:38: Ich verliere die Kontrolle.

00:32:39: also gerade bei Wut hab ich hab ich Angst dass ich jetzt total brutal sein könnte und dann habe ich

00:32:46: manchmal

00:32:46: ist es wie wenn's auf meinem Scheitel knackt Und dann passiert genau das gleiche.

00:32:52: Dann schalte ich in diesen emotionslosen Robotomotus um.

00:32:58: Ich kann nicht sagen ob das ein Schutz für mich oder ob der Schutz wegen mir aber Das ist schon immer, wenn es ganz extrem war.

00:33:07: Wenn die Anspannung extrem hoch war dann knackt das bei mir im Kopf

00:33:12: und

00:33:12: also ich weiß von anderen dass sie das tatsächlich auch haben.

00:33:16: Krass!

00:33:17: Hast du da schon mal mit einer Therapeuten drüber gesprochen?

00:33:20: Also weißt man wo das herkommt dieses Knacken?

00:33:23: Ne,

00:33:24: also ich habe darüber gesprochen

00:33:25: ja

00:33:26: aber ich hab bis jetzt nur als Antwort wie kriegt das mein Körper halt schon recht deutlich spricht.

00:33:35: Ich kann

00:33:35: mir schon

00:33:35: vorstellen, vielleicht durch den erhöhten Blutdruck oder so das vielleicht irgendwie die Schädelplatten.

00:33:40: Dass da vielleicht mehr Druck drauf geht?

00:33:42: Oder ich kann mir das schon vorstellen dass da irgendwie vielleicht ja stoffwechselmäßig irgendwas ist durch diesen Blut druckanstieg oder irgendetwas.

00:33:51: Ich will es sonst nicht.

00:33:52: Ja danke!

00:33:56: Ich bin ein bisschen perplex also ich kannte das ja schon von dir aber ich finde es einfach erstaunlich was Psyche und Körper machen, um uns halt zu schützen.

00:34:08: Und ich bin immer wieder sprachlos wenn ich sowas höre.

00:34:13: Vor allem wenn es solche Sachen sind die ich selber halt nicht erlebe.

00:34:17: Ja Vielen lieben Dank Ira dass du heute da warst das du uns hast teilhaben lassen.

00:34:22: Ich habe mich sehr gefreut.

00:34:25: wir können gerne gleich noch weiter quatschen wenn du magst nur einmal verabschieden von unseren Zuhörern.

00:34:36: und ja, vielen Dank dass ihr heute wieder eingeschaltet habt.

00:34:41: Und ich freue mich sehr wenn du auch das nächste mal wieder einschaltest.

00:34:47: und falls du selbst betroffen bist und es sollte dir heute noch niemand gesagt haben dann möchte Ich Dir jetzt gerne sagen egal was Du erlebt hast egal wie es dir damit geht egal Wie absurd diese Geschichten von deiner Seite auch klingen mag, ich glaube dir.

00:35:08: Bis dahin und bis zum nächsten Mal Nadine!

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