Folge 3: Trauma - Warum Erinnerungen manchmal verschwinden
Shownotes
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Transkript anzeigen
00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von meinem Podcast.
00:00:19: Und irgendwann redete ich darüber, schön dass du eingeschaltet hast!
00:00:23: Ich bin Nadine und selbst betroffene.
00:00:26: Und ja, wie der Titel dir heute vielleicht schon ein bisschen verraten hat möchte ich mit dir über das Thema Traumaerinnerung sprechen.
00:00:38: Davorab?
00:00:39: Es geht nicht um detaillierte Schilderungen von Betroffenen.
00:00:44: also wenn du selbst betroffen sein solltest dürfte das Trägerpotenzial in dieser Folge sehr gering sein.
00:00:51: denn ich möchte viel mehr mit dir darüber sprechen, wie Erinnerungen von traumatischen Erlebnissen von unserem Gehirn verarbeitet werden.
00:01:04: Denn viele von uns stellen sich irgendwann häufig ähnliche Fragen.
00:01:11: Wie zum Beispiel ja warum kann ich mich eigentlich nicht an alles erinnern?
00:01:15: oder manche stellen sich auch die Frage Warum habe ich mich jahrelang überhaupt an nichts erinnert?
00:01:24: Warum wusste ich nicht mal im Ansatz, dass ich ein traumatisches Ereignis erlebt habe.
00:01:30: Warum dachte ich es ist alles in Ordnung?
00:01:33: Wo kommen diese Bilder her?
00:01:36: Ist das alles nur Einbildung?
00:01:38: Kann mir das überhaupt passiert sein wenn ich mich nicht daran erinnere?
00:01:44: Ja genau an diesen Fragen möchte ich heute quasi anknüpfen.
00:01:52: Die möchte ich so ein bisschen mit dir erörtern, wie sowas passieren kann.
00:01:57: Aber natürlich auch wenn die Folge wahrscheinlich kein großes Trägerpotenzial hat, geht natürlich wie in jeder meiner Folgen.
00:02:06: Gerade wenn du selbst betroffen bist achte bitte gut auf dich und solltest du merken dass dir das Thema heute aus irgendeinem Grund nicht gut tut dann ist es überhaupt nicht schlimm.
00:02:15: das ist völlig in Ordnung.
00:02:17: Und dann schallt er einfach beim nächsten mal wieder ein Die folgen laufen die ja nicht weg.
00:02:23: Ja Von mir erst mal einen schönen guten Morgen, bei mir ist es inzwischen acht Uhr.
00:02:30: Ich versuche seit kurz vor acht diese Folge aufzunehmen.
00:02:34: irgendwie funktioniert das heute überhaupt gar nicht.
00:02:37: zunächst einmal war alles weg was ich gestern vorbereitet habe.
00:02:43: Das hat mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht, aber zum Glück kam mir dann noch ein Gedanke wie ich das wiederfinden kann.
00:02:52: Habe ich dann auch wieder gefunden.
00:02:53: also jetzt ist alles wieder da.
00:02:57: Aber ich bin heute gedanklich auch nicht so ganz auf der Höhe.
00:03:01: Ich bin sehr sehr sehr müde.
00:03:05: Also von daher habe ein bisschen Nachsicht mit mir, wenn das hier heute nicht so ganz strukturiert abläuft wie ich das gerne hätte.
00:03:16: So sitze ich jetzt mit meinem lauwarmen Kakao inzwischen vor meinem Computer und nehme dich mal ein bisschen mit in die Traumererinnerung.
00:03:34: Noch ein kurzer Rückblick zunächst einmal auf die letzte Folge, denn da ging es ja darum wie Trauma entsteht oder entstehen kann und welche Folgen das für Betroffene haben kann.
00:03:48: Und da erinnern wir uns auch nochmal kurz zurück an das Alarmsystem, worüber wir in der letzten Folge gesprochen haben, denn das brauchen wir heute wieder – denn natürlich ist das ja um Erinnerung geht!
00:04:02: Und benötigen wir heute wieder die Amygdala, den Hippocampus und den präfrontalen Core Text.
00:04:11: Denn sie helfen uns zu verstehen warum Erinnerungen nach einem Trauma wie eben schon ein bisschen angeschnitten manchmal vollständig vorhanden sind.
00:04:22: Manchmal aber nur bruchstückhaft so in Puzzleteilchen sage ich immer ganz gerne Und manchmal sind sie aber auch zumindest und zunächst für eine Weile gar nicht zugänglich.
00:04:36: Gerade Letzteres ist, vor allem aus Sicht der Betroffenen kann das sehr beängstigend sein.
00:04:44: Aber wenn wir uns mal so die Traumforschung ein bisschen angucken und uns da ein bisschen mit beschäftigen, dann stellen wir schnell fest, dass es tatsächlich nichts Ungewöhnliches ist.
00:04:57: zu verstehen, schauen wir jetzt nochmal so ein bisschen in unser Gehirn.
00:05:03: Was hat das denn überhaupt für eine Aufgabe wenn es um Erlebnisse und Erinnerung geht?
00:05:10: Also ganz grundsätzlich hat es ja die Aufgabe, Erlehnisse so abzuspeichern dass sie später als zusammenhängende Erinnerungen wieder abgerufen werden können.
00:05:22: Das heißt diese Erinnering werden normalerweise eingeordnet und als zeitliches Ereignis.
00:05:30: Also zum Beispiel gestern habe ich Blumen gepflanzt, so dann weiß ich aha!
00:05:37: Ich habe gestern Blumen gepflanzt daran erinnere ich mich heute oder ich erinnare mich daran dass ich vor drei Jahren mit meiner besten Freundin im Zoo war.
00:05:48: okay das war damals und dann weiß sich ja das ist alles vorbei.
00:05:54: bei einem Trauma steht das Gehirn aber vor einer ganz anderen Aufgabe.
00:05:58: Da ist es gar nicht mehr wichtig die Ereignisse, die Erlebnisse als Erinnerung ordentlich abzuspeichern sondern in diesem Moment geht es nur ums Überleben.
00:06:12: Das ist die wichtigste Aufgabe des Gehirns sobald sich um eine lebensbedrohliche oder als überwältigend erlebte Situation handelt, denn in diesem Moment schaltet unser Gehirn in den Notfallmodus um.
00:06:30: So und dafür arbeitet das Alarmsystem also die Amygdala auf Hochtouren Und wenn sie das tut kann der Hypocampus diese Information nicht mehr gut zeitlich und räumlich einordnen.
00:06:48: Und das hat natürlich zur Folge, dass dann der präfrontale Cortext das Erlebte auch nicht wie gewohnt verarbeiten kann.
00:06:59: Dadurch kann es passieren, dass einzelne Bestandteile einer Erinnerung unterschiedlich verarbeitet werden.
00:07:08: Das hat natürlich alles zur Folge Wie unsere Erinnerungen entstehen Und bei den traumatischen Ereignissen ist es dann so, dass diese Erinnerungen häufig nicht mehr allzusammenhängende Geschichte gespeichert werden und das dadurch die einzelnen Erinnerungsbilder, Erinnerungsstücke, Puzzleteile wie auch immer wir sie nennen wollen.
00:07:36: Dass die völlig unterschiedlich zugänglich sind.
00:07:45: Das zeigt sich dann zum Beispiel darin, dass sich manche Menschen später an Geruch erinnern oder einen Geräusch und andere erinnernden sich an das ein- oder andere einzelne Bild.
00:08:05: aber nicht mehr daran, was unmittelbar davor oder danach passiert ist.
00:08:11: Dann gibt es Betroffene die sich ein Gefühl erinnern oder eine Körperempfindung.
00:08:16: also das kann halt alles ganz unterschiedlich sein und deshalb wird halt oft auch davon gesprochen dass Erinnerungen fragmentiert seien können was nicht bedeutet, dass sie kaputt in Anführungszeichen gespeichert sind.
00:08:33: Sondern das bedeutet vielmehr, dass einzelne Bestandteile dieser Erinnerung unterschiedlich zugänglich sind – gut oder nicht gut oder vielleicht halt eben auch gar nicht!
00:08:47: Ja und dann jetzt noch zu der wie ich finde sehr spannenden Frage Wie kann es denn sein, dass sich manche betroffenen Jahre lang überhaupt gar nicht an ein traumatisches Erlebnis erinnern.
00:09:02: Und ganz ehrlich, darauf gibt es keine eindeutige wissenschaftliche Erklärung.
00:09:09: also zumindest habe ich bei meiner Recherche keine gefunden was wir halt wissen wie gerade schon gesagt dass das Gehirn die Ereignisse unterschiedlich verarbeitet und Irgendwann durch irgendeinen Trigger kann es plötzlich sein, dass ein Bild, ein Gefühl oder was auch immer wieder auftaucht.
00:09:37: Aber warum genau das so ist?
00:09:42: Da habe ich tatsächlich keine Antwort darauf gefunden!
00:09:48: Wenn die jemand weiß und ich bei meiner Recherche nicht gründlich genug war dann bitte gerne mir eine E-Mail schreiben.
00:09:55: Ich bin sehr gespannt und wäre sehr, sehr interessiert!
00:10:00: Ja was wir aber halt wissen ist das manche Betroffene halt davon berichten dass sie sich halt urplötzlich an so etwas wie ein Geruch oder ein Bild erinnern was vorher halt gar nicht da war.
00:10:18: Manchmal kann es sein, dass diese einzelnen Puzzleteilchen die dann nach und nach auftauchen.
00:10:25: Dass sie später ein komplettes Erinnerungsbild wieder ergeben.
00:10:33: Es kann aber halt auch sein, das bei diesen Fragmenten bleibt Und das gar nicht mehr kommt.
00:10:39: Auch das ist völlig individuell und total unterschiedlich.
00:10:45: Bei mir zum Beispiel war so ungefähr Mitte zwanzig, drehenzwanzig fing das an mit Albträumen.
00:10:55: Das war zunächst erst einer dann irgendwann der nächste.
00:11:01: Dann kam irgendwann noch einer und die ging alle ungefähr in die gleiche Richtung Und bei mir häuften sie sich.
00:11:09: Es wurden immer mehr Albträume und mehr Alpträume und irgendwann war es so schlimm dass ich quasi jede Nacht Albtreume hatte.
00:11:18: Erst durch die Therapie und vor allem dann später auch durch die Hypnose bin ich an weitere Bilder gekommen.
00:11:29: Also quasi an Erinnerung gekommen, die so tief vergraben war dass sich sie einfach in Anführungszeichen vergessen hatte.
00:11:41: Dadurch habe ich jetzt die Möglichkeit, das alles aufzuarbeiten und dass sich überhaupt weiß was vor über zwanzig Jahren passiert ist.
00:11:49: Also natürlich bedeutet es nicht, dass sich jetzt jeder Einzelheit weiß und jedes Ereignis bis ins kleinste Detail erinnern kann.
00:11:59: Nein!
00:11:59: Auf gar keinen Fall.
00:12:00: Das ist also zumindest auch für mich überhaupt gar nicht der Anspruch aber ich habe jetzt diese Bilder bekommen und Erinnerung bekommen.
00:12:11: Und kann dadurch meine Träume ein bisschen besser nachvollziehen, die ich auch inzwischen zum Glück nahezu gar nicht mehr habe und hab so halt eine Einordnung bekommen.
00:12:27: Dadurch verstehe ich jetzt halt besser... Warum auch mein Körper in bestimmten Situationen reagiert, wie er reagiert und warum manche Dinge manchmal halt möglich sind.
00:12:39: Und an anderen Tagen überhaupt nicht funktionieren.
00:12:43: Auch das ist bei ganz vielen Betroffenen sehr ähnlich.
00:12:51: Denn diese unterschiedlichen Reaktionen – also die Wechsel zwischen können- und nicht-können von bestimmten Dingen Und auch zwischen Erinnern und Nicht-Erinnern, das sind halt alles Folgen eines Traumers.
00:13:08: Also bei mir sind es Folgen des Traumerns.
00:13:10: Das kann man natürlich nicht so allgemein sagen Aber bei vielen Betroffenen die ich kenne ist es halt auch so.
00:13:19: Ja!
00:13:19: So ein kurzer Schwank einmal zu mir.
00:13:30: Warum diese Verläufe alle so unterschiedlich sind, ist halt immer noch Gegenstand der aktuellen Forschung.
00:13:38: Wahrscheinlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle zum Beispiel die Art des Traumas, das Alter zum Zeitpunkt des Erlebten, die Stärke der Belastung und die individuelle unterschiedliche Art und Weise der Verarbeitung.
00:13:55: aber eine einzelne Erklärung alle Betroffenen zutrifft, die gibt es nicht.
00:14:01: Also zumindest bis lange gibt das sie noch nicht.
00:14:06: Was mir an dieser Stelle noch wichtig ist zu sagen auch wenn ich's eben schon mal kurz angeschnitten hatte fehlende Änderungen bedeuten Nicht des ein traumatisches Ereignis nicht stattgefunden hat.
00:14:21: umgekehrt muss man aber auch genauso betrachten dass nur weil man fehlende Erinnerung hat, heißt das aber auch nicht zwangsläufig dass man ein traumatisches Ereignis erlebt hat.
00:14:36: Also was ich damit sagen will ist nur weil du dich vielleicht nicht gut oder gar nicht an deine Kindheit oder an eine bestimmte Zeit in deinem Leben erinnert erinnern kannst heißt es noch lange nicht dass du damals automatisch auch ein Trauma erleben hast Denn Erinnerungen sind ja grundsätzlich keine Videoaufnahmen.
00:14:59: Also wenn wir jetzt meinen Mann nach unserem letzten Urlaub fragen und mich nach unserem Letzten Urlaub fragen, dann kommen da auch zwei unterschiedliche Geschichten heraus die sich zwischendurch mal überschneiden.
00:15:15: Was ich damit sagen möchte ist, dass Erinnerungen halt keine Videoaufnahmen sind und das man sie nicht ein zu ein hundertprozentig sicher abrufen kann.
00:15:25: Denn Erinnerung verändern sich mit der Zeit und Sie können immer lückenhaft oder unverständlich sein.
00:15:33: Und gerade bei einem besonders stark belastenden und traumatischen Erlebnis kann dieses im besonderen Maße der Fall sein.
00:15:43: Und deshalb ist es halt auch so wichtig, dass man sehr, sehr vorsichtig ist mit irgendwelchen Schlussfolgerungen.
00:15:50: Denn noch einmal – weder beweisen fehlen der Erinnerung alleine das ein Trauma stattgefunden hat – noch schließen Sie vorhandene Erinnerungen einen Trauma aus!
00:16:05: War das jetzt verständlich?
00:16:06: Ich hoffe... Ja, Erinnerungs- sind halt sehr, sehr komplex und vor allem nach einem Trauma sind sie oft noch komplexer.
00:16:23: Und manchmal sind Sie auch widersprüchlich, manchmal sind sie sehr schwer zu verstehen gerade für uns Betroffenen.
00:16:33: aber genau das macht sich nicht weniger real.
00:16:38: Vielleicht hilft dir dieses Wissen dabei in Zukunft etwas verständnisvoller auf dich selbst, solltest du das betroffen sein zu schauen oder aber wenn Du nicht selbst Betroffene bist auf andere zu schauen.
00:16:55: Ja damit sind wir auch schon wieder am Ende dieser Folge und ich freue mich sehr dass Du eingeschaltet hast.
00:17:06: Ich freue mich auch wenn Du beim nächsten Mal wieder einschaltest Wie schon, ich glaube in der ersten Folge war es mal gesagt.
00:17:15: Ich freue mich sehr über konstruktive Kritik.
00:17:21: Du kannst mir schreiben Über meine E-Mail Adresse Die steht in der Folgenbeschreibung Und zwar ist das die und irgendwann redete ich darüber at web.de.
00:17:34: Ich freu mich sehr von dir zu hören.
00:17:41: Du kannst mir Ideen schreiben, wenn du beim Podcast mal mitwirken möchtest in irgendeiner Funktion weil du etwas erzählen möchtes, etwas zu einem Thema beitragen möchtet.
00:17:53: Sehr gerne ich freue mich darauf.
00:17:55: und ja... Ich würde sagen ohne diese Folge jetzt künstlich in die Länge zu ziehen, höre ich einfach auf und verabschiede mich.
00:18:05: Und falls du selbst betroffen bist und es dir heute noch niemand gesagt hat dann möchte ich dir zum Abschluss noch eines mitgeben Ich glaube dir bis dahin!
00:18:16: Bis zum nächsten Mal Nadine.
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